Zombifizierung

Die Zeitschrift für Kulturwissenschaften hat sich  in Heft 1/2014 die Zombies als Thema vorgeknöpft und betrachtet die Welle an Zombiefilmen u.a. als Antwort auf die

aktuellen Erscheinungen des Kapitalismus in Form neoliberaler Gouvernementalität und Subjektivierung, aus der aufgrund des eigenen Verstricktseins kein einfaches Entkommen möglich ist. Dabei sollte nicht Vergessen werden, dass der Kapitalismus nicht erst seit der Finanzkrise Untote produziert.

Soweit eine kurze Passage aus dem darin abgedruckten Text von Jeanette Ehrmann: Working Dead. Walking Debt. Der Zombie als Metapher der Kapitalismuskritik. Wenn man die gesellschaftliche Konstitution der Individuen nicht als Verstrickung versteht, sondern im gesellschaftlichen Widerspruchsverhältnis begreift, greift dies allein etwas kurz. Möglicherweise lässt sich über den Zombie auch sagen was Walter Benjamin über den destruktiven Charakter notiert.

Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen. Sein Bedürfnis nach frischer Luft und freiem Raum ist stärker als jeder Haß.

Als destruktiver Charakter der Leinwand räumt der Zombie die Happy Ends auf. Die Figur lässt sich nicht nur als Verstrickung in neoliberale Subjektivierungsformen, aus denen es kein Entkommen gibt, lesen. Der Zombie lässt sich dem neoliberalen Subjekt ebenso gut gegenüberstellen – als vereinzelter Massenflaneur und unkontrolliertes Subjekt, als eine Art filmischer Entlastungs-Buddy für das unternehmerische Selbst.

Um zum destruktiven Charakter bei Benjamin zurückzukommen: Obwohl Benjamin ihm einen umfassenden, apokalyptischen Pessimismus nachsagt, sieht er ihn weder verstrickt noch als gleichgültigen Quietisten. Er sei vielmehr „die Zuverlässigkeit selbst“. Der destruktive Charakter wisse zugleich darum, „dass alles schief gehen kann“, wie er eben daher nichts Dauerndes, sondern „überall Wege“ sehe.

Das Bestehende legt er in Trümmer, nicht um der Trümmer, sondern um des Weges willen, der sich durch sie hindurchzieht.

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